Nachdem wir im Februar mit der Fähre aus Busan (Südkorea) in Japan angekommen waren, wollten wir eine Nacht in einem der vielen buddhistischen Tempel auf dem mythischen Berg Koya verbringen. Einziges Problem: der Weg dorthin ist zwar unglaublich pittoresk, aber mit vielen Umstiegen und Fußwegen durch den Schneematsch verbunden. Unsere Koffer waren also nicht nur unnötig für eine Nacht, sondern auch äußerst hinderlich. Wenn man sie aber am Bahnhof einschließt, kostet das relativ viel Geld und zwingt, auch über diesen Bahnhof zurückzufahren und Zeit einzuplanen.

Zum Glück gab es eine bessere Idee: Ta-Q-Bin — den großartigen japanischen Gepäckversand: Zwei Tage später warteten unsere Koffer im Hotelzimmer im 600 Kilometer entfernten Fukuoka, wie man auf dem Bild sieht. Und wir hatten zwischenzeitlich bei über 10 Umstiegen die Hände frei 🙌

🏯 Taqbin/Takkyubin ist ein landesweiter Gepäck-Lieferservice in Japan, mit dem Koffer und große Taschen von Hotel zu Hotel, Flughafen oder Privatadresse verschickt werden können – man reist selbst nur mit Handgepäck.
🏯 Gepäck wird an der Hotelrezeption, im Convenience Store oder am Flughafen aufgegeben, Zieladresse und Lieferdatum werden festgelegt – der Rest passiert automatisch. Tracking ist dabei. Alles ist enorm zuverlässig.
🏯 Dauer: In der Regel 1 Tag innerhalb derselben Region, sonst 2 Tage.
🏯 Kosten: Je nach Größe und Strecke meist ca. 2.000–3.500 Yen pro Gepäckstück (circa 10–20 €). Das Schließfach hätte auch 5–7€ gekostet.
🏯 Das händefreie Reisen ist in Japan das Leitbild. Sperrige Koffer werden in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gerne gesehen. In Kyoto darf man Koffer nicht in den Bus mitnehmen. Im Shinkansen gibt es keine kostenlose Gepäckablage. Entweder der Koffer passt über dich oder klemmt vor deinen Beinen. Zu dieser Policy-Peitsche ist Ta-Q-Bin das Zuckerbrot, sozusagen.
🏯 Was ist anders als in Deutschland? Lieferungen am selben Tag zum Flughafen gehören zum Kerngeschäft von Taqbin. Beim DB/Hermes Gepäckservice prinzipiell ausgeschlossen. Außerdem gibt es bei Taqbin verschiedene Geschwindigkeiten (Same-Day bis 3 Tage) und Preise. Bei DB/Hermes kostet jeder Koffer 24,90€ und braucht zwei Tage.

Klar, auch 15 Euro sind viel Geld. Aber es gibt viele Menschen, denen es das wert wäre: etwa weil sie mobilitätseingeschränkt sind, weil sie noch Kinder dabei haben oder weil sie sich davor fürchten, mit dem schweren Koffer vor einem defekten Aufzug zu stehen.

Ich würde mir sehr wünschen, dass es so einen Service bei uns geben würde — als zusätzliche Möglichkeit für angenehmes Reisen. Wie seht ihr das? Wird das bei uns auch (wieder) kommen? Oder ist das alles dekadenter Quatsch?

Übrigens: Diese und 9 weitere Ideen für Deutschland und Europa findet ihr übrigens in meinem Buch Aha sagt man überall 🎴 💡


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